Auch das bin ich
Lars der Bruder (aus Sicht meiner Schwester Birte)
Wo soll ich anfangen? Ich denke, es gibt wohl kaum jemanden, der Lars so gut kennt wie ich und der leidvolle, wie auch fröhliche Zeiten mit ihm durchleben durfte. Das macht es natürlich nicht gerade einfacher, diese vielen bewegenden Momente auf wenigen Zeilen zusammenzufassen und einen "richtigen" Eindruck zu vermitteln.

Also, da war die Phase, in der mein Bruder mich gar nicht leiden konnte. Diese Phase hat leider von der Geburt bis zum meinem ca. 12. Lebensjahr angehalten. In dieser Zeit wollte er möglichst wenig mit mir zu tun haben, ausser mich zu ärgern. In diesem Sinne benutzte er mich gerne als Spielzeug anstatt mit mir zu spielen, nutzte seine körperliche Kraft aus, um mich zu malträtieren und zu irgendwelchen Zusagen zu zwingen oder sperrte mich in den Schrank - bis meine Mutter mich fand. Vielleicht neige ich deswegen heute zu Klaustrophobie und bin nicht gerne allein im Dunkeln.

Ab meinem 12. Lebensjahr und ca. 10 kg leichter änderte sich diese Situation schlagartig. Denn als seine Freunde sich plötzlich für seine kleine Schwester interessierten, lag die Annahme nahe, dass sie ja vielleicht doch gar nicht so verkehrt ist und ausserdem ist es ja auch ziemlich cool, die Rolle des grossen Bruders zu spielen.

Diese Rolle erfüllt er seit dem mit Bravur bis zum heutigen Tage und ich könnte mir keinen besseren Bruder wünschen. Natürlich nervt mich seine Sturheit und die Neigung Dinge manchmal bis zum letzen auszudiskutieren, wenn es schon lange nichts mehr zu sagen gibt oder die Angewohnheit Geschichten manchmal doch sehr in die Länge zu ziehen, und die Poente erst einzulegen, wenn der Spannungsbogen schon wieder abwärts geht. Dafür kann er aber auch über sich selber lachen und man kann über alles mit ihm reden. Er hat immer ein offenes Ohr für Freunde und Familie und man kann Lars zum xsten Mal mit dem gleichen Thema vollquatschen - er zeigt Geduld, nimmt einen immer ernst und gibt auch konstruktive Kritik.

Sein umfassendes Allgemeinwissen macht ihn zu meinem persönlichen Lexikon (und mich zum Deppen) - immer dazu bereit mir meine Fragen geduldig zu erklären und sich nicht über meine Unwissenheit lustig zu machen. Ich denke manchmal, dass er ein guter Lehrer geworden wäre, da er auch eine ordentliche Portion Humor mitbringt und wir uns schon oftmals auf dem Boden gekringelt haben vor Lachen.

Tja, unsere Mutter hatte da allerdings manchmal weniger zu lachen gehabt, denn sie musste irgendwann mit Entsetzen feststellen, dass ihr Sohn doch leider nichts von Ihrer Ordentlichkeit in den Genen hat und auch ich bin manchmal fasziniert, wie schnell man eine Wohnung in ein Chaos verwandeln kann und was für eine unverzichtbare Erfindung der Geschirrspüler in manchen Haushalten darstellt.

Auch in anderen Dingen sind wir uns nicht unbedingt ähnlich, wobei Lars die Natur zwar vielleicht genauso liebt wie ich - guckt er sie sich doch lieber durch die Autofensterscheibe an, da er nicht unbedingt ein Bewegungsfanatiker ist. Eine Ausnahme stellt da allerdings Minigolf dar, was mittlerweile zu einer Art Familiensport geworden ist.

Ausserdem ist er auch sehr aufmerksam und großzügig und lässt gerne mal 5 gerade sein. Manchmal ist er sehr gesellig und liebt es besonders im Freundeskreis Spiele zu spielen oder im Zweier-Duell beim Backgammon zu gewinnen. Manchmal ist er aber auch gerne alleine und geniesst ein gutes Buch. Vielseitig interessiert kann es sich dabei um den neuesten (Michael ...) Roman handeln, die Finanzbörse, Esotherik oder auch Harry Potter.

Seine Freunde sind ihm sehr wichtig und er ist immer für Sie da und sehr zuverlässig. Eine Zeitlang hat es ihn mal nach England verschlagen, aber seine Heimatliebe hat ihn wieder zurück ins schöne Schleswig-Holstein gezogen, wo er aktives Mitglied der Gemeindevertretung ist und gerne für die Interessen der Gemeinde eintritt.

Am meisten schätze ich glaube ich, dass Lars mich bedingungslos liebt und immer für mich da ist. Mein Bruder ist halt doch der Beste!

So sehe ich übrigens aus.

und manchmal so:

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